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Die Mannheimer Ranzengarde
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Von der Bürgerwehr zur Ranzengarde
Tradition bis ins 17. Jahrhundert
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Nach der Erhebung des Dorfes Mannheim im 17. Jahrhundert mussten die hiesigen Bürger in Friedenszeiten ihre Brücken und Tore selbst bewachen. Hierzu wurde eine Bürgerwehr aufgestellt. Im 18. Jahrhundert wurde eine besondere Gruppe innerhalb der Bürgerwehr von 50 60 Stadtsoldaten geschaffen, welche die Wachaufgaben übernahm.
1803 war die Mannheimer Bü rgerwehr in 4 Infanterie -, Schützen und Reiterkompanien gegliedert. Die Offiziere der Bürgerwehr wurden von den Mannschaften gewählt und vom Stadtrat bestätigt. Das Kommando führte der dem Stadtrat unterstellte Oberst der Bürgerwehr.
1821 hatte die Bürgerwehr eine Stärke von 271 Mann. Der Dienst in der Bürgerwehr wurde 1832 freiwillig. Die nun geschaffenen freiwilligen Einheiten hielten sich nicht lange.
In Verbindung mit dem ersten Mannheimer Maskenzug von 1840, arrangiert von der "Männer Gesellschaft Räuberhöhle”, erfolgte eine Neubelebung der Bürgerwehr. Nach dem erfolgreichen Maskenzug, dieser musste am Nachmittag wiederholt werden, zogen Hubertus und seine Gesellen ins Nationaltheater. Die Stadtgarde hatte sich ebenfalls eingefunden und bildete das Spalier.
Bürgerwehr empfängt Großherzog im Jahre 1811
Die Mannheimer Bürgerwehr, jetzt als Ranzengarde den Honneurs dienend, war allseits beliebt. 1841 erhielt die Mannheimer Ranzengarde Besuch von ihren Gardebrüdern aus Mainz. Die Mainzer Ranzengarde von 1837 besteht heute noch.
Beliebt wurden bei der Mannheimer Ranzengarde die Biwaks auf dem Paradeplatz. Alljährlich zogen die Gardisten mit Musik zum alten Alarm und Paradeplatz, stellten ihre Zelte auf, und ein lustiges Lagerleben hob an. Sie benahmen sich so närrisch und originell, wie es die Verhältnisse gerade noch zuließen.
Parade mit Bürgerwehr 1815
1840 war das Geburtsjahr der heiteren Garde, die wesentlich zur Belebung des Straßenbildes beitrug. Die „Trink - und frohen Kriegslieder“ der Ranzengard isten, die an den Tagen des Mummenschanzes in den Straßen widerhallten, wurden begeistert von den Mannheimern mitgesungen. In diesen beiden Jahren des jungen Mannheimer Karnevals bezog die Ranzengarde auf dem Paradeplatz ein Biwak und trug wacker das Ihrige zum allgemeinen Mummenschanz bei.
Für die kreuzfidelen Gesellen schwärmte jung und alt. Als die Ranzengarde fünf Jahre später nicht mehr mobilisiert wurde, heftete sich auch kein Sieg mehr an die Fahne des Mannheimer Lokalhumors.
In den Revolutionsjahren 1848/49 wurde die Bürgerwehr letztmals aktiv. Nach der Besetzung der Stadt durch die Preußen, wurde die Wehr wie alle bewaffneten zivilen Verbände aufgelöst.
Dem Mainzer Beispiel folgend, rekrutierte sich danach die Ranzengarde als friedliche Honneurs -Gruppe. Erneut wurden die Biwaks auf dem Paradeplatz jeweils zum Höhepunkt der närrischen Zeit.

Ranzengardisten mit Dame
Ein Umzug der vereinigten Karnevals Gesellschaften Walhalla, Narrhalla, Extra Narren und Zipfelkappen Narren, krönte das Fasnachtsgeschehen. Die Mannheimer Ranzengarde hatte sich der Walhalla- Gesellschaft angeschlossen. Zur Stammburg wurde das Lokal „Prinz Friedrich” in B 6, 6. Aus der folgenden Zeit fehlen weitere Hinweise oder Berichte über die Ranzengarde. So wissen wir nicht, wie lange diese bestand. Die Walhalla Gesellschaft ist bis 1894 nachweisbar. Nach 1890 erlahmte die Mannheimer Straßenfasnacht. Man hörte nichts mehr von Biwaks auf dem Paradeplatz, wie von Fasnachtsmessen auf dem Strohmarkt und dem Fruchtmarkt, jeweils an den Enden der Planken vor P4 und R4.
Mit der Gründung des Feuerio, dessen erstes Wirken als Hawereck Narren 1894 anhob, wurde die Mannheimer Straßenfasnacht 1898 wieder belebt. Zugleich mit dem ersten Fasnachtszug heutiger Zugfolgen, bildete sich im Jahre 1898 eine Prinzengarde in den Farben blau-weiß-rot-gelb, einer Kombination der Farben der Stadt und des Landes Baden. Diese Garde wurde zur ständigen Begleiterin der erneuerten Figur des Fasnachtsprinzen. Der Fröhlich Pfalz blieb es vorbehalten, die Mannheimer Ranzengarde ein zweites Mal zu erneuern. 1929 geschah das, wobei die Uniformen der Stadtgarde von 1843 angepasst, von Bühnenmaler Heinrich Bornhofen entworfen und von Garderobeninspektor
Karl Moll geschneidert wurden. Im Haus des kaufmännischen Vereins in C1, 10-11 wurde der erste Gardist unter Trommelwirbel vorgestellt.
Zum großen Tag der Ranzengarde wurde der 2. März 1930. Damals herrschte auf dem Zeughausplatz ein frohes Lagerleben.
Jedenfalls freut es uns, in der Ranzengarde nicht etwa ein Phantasieprodukt zu sehen, sondern ein Stück Alt-Mannheims auf das jeder mit Recht und Fug stolz sein kann.
Am Fasnachtssamstag des Jahres 1930 fand das erste Lagerfest der Fröhlich Pfalz statt. Schon der Auftakt zur Pfälzer Fasnacht, die Einholung der närrischen Rekruten brachte den Beweis, dass die Mannheimer doch lebhaftes Interesse an der Wiederbelebung des Faschings bekunden. Schon vor 18:00 Uhr hatten am Samstag Abend eine große Anzahl Neugieriger die Verkehrsinseln und die Gehwege am Hauptbahnhof besetzt. Im Wartesaal der 3. Klasse herrschte dichtes Gedränge. Hier warteten die Rekruten auf das Eintreten der Offiziere.
Die verschiedensten Typen hatten sich anwerben lassen, vom Gigerl bis zum zerlumpten Landstreicher. Kurz vor 18:30 Uhr traf mit fliegendem Spiel die Regimentsmusik der Ranzengarde ein. Mit lautem Hallo wurden die Rekruten begrüßt, rasch formierte sich der Zug und dank besonderen Unterstützung der Polizei konnte unter Vorantritt der Musik bald der Marsch durch die Stadt angetreten werden. Das von unzähligen Menschen begleitete Regiment bot mit seinen Fackeln einen besonderen imposanten Anblick. Waren schon die Hauptverkehrsstraßen dicht von Menschen umsäumt, so war der Zeughausplatz von einer unübersehbaren Menschenmenge belagert.
Mit der Ranzengarde k am es zur Erneuerung der der Figur der Fasnachtsprinzessin. Diese wurde am Rheinufer abgeholt, feierlich zum Zeughausplatz geleitet und dem staunenden Publikum vorgestellt. Der Prinzessin Editha I., einer Schülerin am hiesigen Konservatorium, wurde die Ranzengarde als Schutz zur Seite gestellt.
Im Jahre 1934 waren erstmals Prinz und Prinzengarde vom Feuerio, wie Prinzessin und Ranzengarde von der Fröhlich Pfalz im Fasnachtszug zu sehen.1935 wurden vom Schloßmuseum die alten Fahnen der Stadtgarde und der Bürgerwehr aus dem 18. und 19. Jahrhundert geholt und beim Umzug mitgetragen.
Ranzengarde auf dem Zeughausplatz
Im Jahre 1938 war die Garde begleitet von Spielmannszug und Artillerie. Die Ranzengardemusik stellte die Kapelle Schönig. Die Gardekommandeure der Jahre 1929/30 waren Franz Herweck und Robert Seeger.
Die historische Mannheimer Ranzengarde marschierte durch die Straßen der Schwetzingerstadt, eroberte die Vororte und machte sich in schönster Weise verdient. An der Spitze standen damals der „Kriegsminister“ Franz Herwig, Feldmarschall Seeger und der Stab von Offizieren, die schon von der Neugründung der Ranzengarde an mit Eifer dabei waren.

Kapelle der Mannheimer Ranzengarde ..

Ranzengarde und Prinzengarde im Einsatz
Jede Truppe hat bekanntlich ihren eigenen Marsch, ihr Lieblingslied. Es darf daher an dieser Stelle nicht versäumt werden, das Ranzengardenlied, das nach der Melodie „Das ist die Garde“ gesungen wird, wiederzugeben. Heinz Bornhofen hat den Text dazu geliefert. Möge jeder selbst beurteilen, ob ihm die Dichtung glückte:

Wer zieht so schneidig die Straßen herauf
An Fasnacht, bewundert von der Menge
Wer türmet im Lager die Fässer zu Hauf
Und tanzt und scherzt im Gedränge?
Das ist die Ranzengarde, die man in Mannheim liebt,
Die Pfälzer Ranzengarde, die Humor und den Frohsinn liebt.
Im Jahr anno vierzig es war famos-,
Da wurde unser Lager gegründet.
Historisch getreu, geht’s auch heur wieder los,
Wenn alles beim Mummenschanz sich findet.
Ja, bei der Ranzengarde die man in Mannheim liebt,
Die Pfälzer Ranzengarde, die Humor und den Frohsinn liebt.
Im Kampf gegen Griesgram ziehen wir in Feld,
So lautet die närrische Parole:
Philister und Mucker verderben die Welt,
Hoch Fröhlich Pfalz! Deinem Wohle.
Ein Hoch der Ranzengarde die man in Mannheim liebt
Die Pfälzer Ranzengarde, die Humor und den Frohsinn liebt.
Ranzengarde im Feldlager auf dem Zeughausplatz
Kavallerie der Ranzengarde
In den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrtausends modernisierte sich die Ranzengarde. Zu den Gardisten und Marketenderinnen gesellte sich eine gemischte Tanzgarde. Beim Fasnachtszug 1966 war die Ranzengarde der Fröhlich Pfalz unter ihrem Generalfeldmarschall Helmuth Constantin, begleitet von der Blaskapelle Franz Kühner, bereits mit Tanzmariechen, Tanzgarde und Offizierscorps zu sehen.

Personenschutz Anno 1930..
Im Jahr 1973, als die Garde 4 x 11 Jahre alt wurde, hatte diese bereits ihre Minigarde. Im 50. Jubeljahr 1979 wirkte die Ranzengarde unter den Generalfeldmarschällen Heinz und Karl Zorn, tritt das Tanzpaar Hannelore und Karl-Heinz Scheib auf und erfreut sich an Daniela Reiser als jüngster Tanzstar.
Deshalb blieb es nicht aus, dass die „marschierenden Gardisten“ in den Hintergrund traten, denn der Zuspruch zur Tanzgarde wurde immer größer. So entstanden im Laufe der Zeit die Krümelgarde, die Minigarde, die Juniorengarde und die Kurpfalzgarde.

Im Jahre 1994 fanden sich dann aber wieder drei engagierte Fröhlich Pfälzer, die die Historische Ranzengarde auf der Basis der „Altpfläzischen Stadtgarde“ bzw. der „Mannheimer Bürgerwehr“ gründeten.
Alle guten Dinge sind drei, und so oblag es Georg Bähr, Hans Joachim Bender und Robert Fitzgerald, die Mannheimer Ranzengarde ein drittes Mal wieder entstehen zu lassen. Seither wird diese schöne und alte Tradition der Mannheimer Bürgerwehr wieder kontinuierlich vorangetrieben, um den historischen Hintergrund „Alt-Mannheimes“ zu bewahren.
Die Bilder von der Bürgerwehr entstammen dem Bericht: "Mannheim in den
Revolutions- und Napoleonischen Kriegen„ von Markus Stein Oktober 2005. Weitere Bilder wurden freundlicherweise von Dieter Gaul zur Verfügung gestellt oder sind aus dem Fundus der Fröhlich Pfalz.
Beiträge teils aus Mannheimer Stadtarchiv, Neue Mannheimer Zeitung,
Generalanzeiger, Mannheimer Morgen, Allgemeine Zeitung

Mannheimer Ranzengarde im Jahr 2002..
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